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Stefan Krämer: Die erste belgische Liga übt einen großen Reiz auf mich aus

Nach der Ankündigung am Mittwoch ist Stefan Krämer am Donnerstag auch offiziell als neuer Trainer der AS Eupen vorgestellt worden. Der 54-jährige Krämer war zuletzt beim deutschen Drittligisten KFC Uerdingen unter Vertrag. Interview.

Herr Krämer, warum haben Sie sich für das Angebot der AS Eupen entschieden? In allererster Linie ist es natürlich der sportliche Reiz: Die erste belgische Liga übt einen sehr, sehr großen Reiz auf mich aus. Ich bin noch kein ausgewiesener Fachmann, um das vorweg zu schicken, aber ich kenne eine ganze Menge belgischer Spieler und habe oft gegen belgische Mannschaften mit meinen Clubs gespielt. Und der physische Fußball, das Tempo und auch die Qualität der Spieler, die da unterwegs sind, das hat mich total gereizt. Und in der ersten Liga trainieren zu dürfen, ist natürlich für jeden Trainer mehr als reizvoll. Welche Rolle hat Chefscout Siggi Martin gespielt bei Ihrer Verpflichtung? Siggi und ich haben schon eine sehr lange Verbindung zueinander. Das war damals mein Ausbilder an der Sporthochschule. Und seitdem haben sich unsere Wege immer wieder gekreuzt. Er ist für mich einer der erfahrensten Scouts in Deutschland, auch in der Bundesliga unterwegs gewesen, in Bremen und in Mainz. Mainz ist mein Heimatverein und wir waren immer im Austausch. Und Siggi hat mich dann tatsächlich kontaktiert und mich gefragt, ob ich mir das grundsätzlich überhaupt vorstellen könnte, nach Belgien zu wechseln, wie meine Vertragssituation ist und so. Der Erstkontakt kam tatsächlich über Siggi Martin zustande. Ihre letzte Trainer-Station war in Uerdingen. Auch da gab es einen Investor, aber da sind Ihre Erfahrungen nicht ganz so gut gewesen. Was macht Sie so sicher, dass es bei der AS Eupen anders verlaufen wird? Naja gut, KFC Uerdingen ist leider in die Insolvenz geschlittert. Man kann jetzt trefflich darüber streiten, ob das so gewollt war oder ob es einfach die Umstände waren. Es war so, dass der Investor in Uerdingen zumindest versucht hat, sich immer wieder tatsächlich auch ins Tagesgeschäft einzubringen. Das war keine gute Idee. Jetzt ist es so, dass Aspire, glaube ich, sich im Tagesgeschäft komplett raushält. Natürlich wird die Situation im Fußball für viele Clubs komplizierter. Auch für die Sponsoren der Clubs wird es jetzt komplizierter. Und deswegen ist es natürlich auch ein großer Auftrag in der nächsten Zeit, sich ein bisschen unabhängiger zu machen, in der Region so aufzustellen, dass man große Teile des Etats vielleicht auch aus eigenen Mitteln stemmen kann. Da gehört natürlich auch dazu, Transfer-Überschüsse zu erzielen, das ist alles klar kommuniziert. Und hinter dieser Idee, junge Talente zu entwickeln, um an allererster Stelle natürlich Spiele zu gewinnen, aber auch dem Verein einen Mehrwert zu generieren, da stehe ich total dahinter. Heißt das denn auch mit anderen Worten, dass die jungen Talente, die bereits im Verein sind, aber in der letzten Saison so ein bisschen ins Hintertreffen geraten sind, sich für die neue Saison wieder berechtigte Hoffnungen machen dürfen? Also wir werden uns auf jeden Fall sehr schnell einen Überblick über die Talente, die im Club schon sind, verschaffen. Es wäre ja Wahnsinn, wenn wir das nicht machen würden. Es werden auch viele von den Jungs zum Trainingsstart bei der Profimannschaft trainieren. Wir werden mehrmals im Monat die besten Talente natürlich in Rücksprache mit deren Trainern zum Talente-Training zusammenfassen, um einfach immer den Überblick zu haben: Wer entwickelt sich wie, wem trauen wir das zu? Nur jung zu sein ist natürlich auch nicht das Kriterium. Aber wenn, wenn Jung und Qualität zusammenkommt, dann werden wir alles tun, diese Qualität, die im Verein jetzt schon ist, so zu entwickeln, dass es dem Verein auch hilft, das ist ganz klar. Ich werde mir ganz viele Trainingseinheiten und Spiele der U21 montagsabends ansehen, das bietet sich total an, wenn wir nicht selber spielen. Ich werde immer einen sehr engen Draht zu den Jugendtrainern halten und wir werden sehr darauf achten, dass da eine gute Möglichkeit für die großen Talente im Club ist, dann auch Profi zu werden. Das Gros des Kaders für die kommende Saison steht ja bereits. Knapp 30 Spieler sind unter Vertrag noch bei der AS Eupen. Wo sehen Sie die Baustellen? Grundsätzlich ist es natürlich so, dass ich glaube, dass in dem Kader, der jetzt im Moment da ist, eine große Qualität steckt. Und ich glaube auch, dass wir ganz gut von der Kaderzusammenstellung her aufgestellt sind. Auf der linken Verteidiger-Position, da müssen wir vielleicht noch etwas machen. Man muss natürlich auf der anderen Seite auch abwarten. Also wenn ich das richtig verstanden habe, ist der Verein nicht gezwungen, auf Teufel komm raus Spieler abzugeben. Schon gar nicht zu Preisen, die den Spielern nicht gerecht werden. Aber es kann natürlich sein, dass die Top-Jungs auch noch Angebote kriegen, zu denen man schlecht Nein sagen kann. Das wird man sehen. Und die Transferperiode dauert ja noch eine ganze Zeit. Und dann wird man natürlich auf diese Dinge reagieren müssen und auch können. Aber Stand jetzt gehen wir erst mal davon aus, dass wir mit dem Kader in die Saison gehen und der ist für mich absolut konkurrenzfähig. Wen von den Top-Jungs, wie Sie sie nennen, wollen Sie unbedingt halten? Also nochmal: Halten würde ich sie am liebsten alle. Aber wenn ein Stürmer, der 16 Tore gemacht hat, bei irgendwelchen Vereinen dermaßen Begehrlichkeiten weckt, dass sie bereit sind, dafür Summen zu zahlen, die dem Verein wirklich helfen, dann muss man darüber nachdenken, dann darf man sich nicht aus meiner Sicht nicht verschließen. Es sind komplizierte Zeiten für alle Fußballclubs und gerade wenn man ein kleinerer Club ist und sich ein bisschen verselbstständigen will, dann muss man - auch wenn es schade ist, weil man an Qualität verliert - die Wirtschaftlichkeit dann in dem Moment auch sehen. Und dann, wenn diese Angebote kämen, muss man drüber nachdenken. Solange sie nicht kommen, bin ich als Trainer froh, dass ich die Qualität habe. Jetzt geht die AS Eupen in die neue Saison ohne Sportdirektor. Die Aufgabe des Sportdirektors werden verteilt auf verschiedene Schultern, unter anderem auch auf Siggi Martin, Thomas Herbert, Christoph Henkel und Sie werden auch dann da mit eingebunden sein. Ist das ein Modell, das möglicherweise Zukunft hat? Ich bin sogar sicher, dass es Zukunft hat. Also es gibt auch gute Modelle mit Sportdirektor, um Gottes Willen. Aber die Erfahrung, die ich gemacht habe, ist, dass es oft zu Reibungspunkten kommt. Und von daher habe ich das Gefühl, dass in dem Team, das jetzt da ist, genug Qualität, genug Erfahrung, genug Kompetenz und genug Manpower vorhanden sind, um das zu handeln.

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