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Für Menschen mit Demenz: Bewegungsprogramm „Fit für 100“ und neues Ortungssystem

Hilfe und Unterstützung für demenziell veränderte Menschen - das ist das gemeinsame Ziel der Arbeitsgemeinschaft Demenz, in der sich Einrichtungen und Dienste aus Ostbelgien zusammengetan haben. Dazu gehört auch das Marienheim in Raeren, wo unter anderem "Fit für 100" angeboten wird.

Zweimal in der Woche trainiert die Ergotherapeutin Emely Parmentier mit der Gruppe "Fit für 100", einem von der Sporthochschule Köln entwickelten Bewegungsprogramm für Menschen im hohen Alter. Ziel ist es, die Muskulatur zu stärken, Gleichgewicht und Koordination zu verbessern, aber auch kognitive Fähigkeiten zu trainieren. "Was ich so schön finde an dem Programm ist, dass man sehr viel mit Effektwissen macht", erklärt Emely Parmentier. "Das heißt, man erklärt jede Trainingsübung, welche Muskulatur man stärkt und wie man diese Muskulatur in alltäglichen Dingen einsetzt: zum Beispiel beim Aufstehen, beim Gehen, beim Essen und Trinken oder bei der Körperhygiene." "Und die Leute merken, dass es ihnen gut tut, dass sie länger selbständig bleiben und länger unabhängig sind", berichtet Emely Parmentier. "Das motiviert die Teilnehmer." So wie Tagesgast Willy Rosewick, der auch gerne mal zu Hause mit seiner Frau übt. Seit Mai gibt es das Angebot im Marienheim Raeren. Heimleiter Patrick Laschet ist begeistert - "weil von dem Programm zu erwarten ist, dass man seine körperlichen und kognitiven Fähigkeiten länger aufrecht erhalten kann und dass es sogar für Menschen mit leichter Demenz dazu führen kann, dass Fähigkeiten wiedererworben werden. Es ist ein sehr interessantes Programm. Es zielt nicht direkt auf Demenz, wird aber akzeptiert von Menschen mit Demenz, wie auch von anderen Menschen. Es ist gesellig und die Leute sind sehr zufrieden." Neben den körperlichen Vorteilen des Bewegungsprogramms gibt es auch einen sozialen Aspekt. "Die Leute haben mittlerweile eine kleine Gemeinschaft", sagt Emely Parmentier. "Viele ältere Menschen vereinsamen ohne Partner und Kinder. Für sie ist das wirklich eine sinnvolle Beschäftigung. Und es tut einfach gut, Sport zu treiben. Das setzt Glückshormone frei. Und es entstehen kleine Freundschaften."

GPS-Uhr als Ortungssystem

Wer sich lieber alleine aufmachen will, soll auch dazu die Möglichkeit haben. Sarah Mohr von der Dienststelle für Selbstbestimmtes Leben stellt eine GPS-Uhr vor, mit der demenziell veränderte Menschen ohne Gefahr hinauslaufen können. Wenn sie die Orientierung verlieren, können sie einen Hilferuf senden - ähnlich wie bei einem Hausnotrufgerät. "Man drückt einen Knopf und dann geht eine Meldekette los. Erst wird die Tochter angerufen, wenn die nicht drangeht der Sohn, dann vielleicht der Neffe und an vierter Stelle die Polizei", gibt Sarah Mohr ein Beispiel. Das Ortungssystem bietet auch die Möglichkeit eines passiven Alarms, um Personen mit Demenz im Ernstfall schneller zu finden. Die Meldung geht wie beim aktiven Alarm an einen Notrufdienst in Köln. "Man hat einen vordefinierten Rahmen, legt also einen Radius fest um eine bestimmte Adresse. Und wenn die Person den Rahmen verlässt, geht ein passiver Alarm los und damit auch wieder diese Meldekette." Für das Marienheim in Raeren ist das Ortungssystem ein interessantes Pilotprojekt. "Es ist wichtig, dass Menschen mit Demenz auch ihren Bewegungsdrang außen erleben", sagt Heimleiter Patrick Laschet. "Oft werden sie durch Therapeuten oder Ehrenamtler begleitet. Aber es gibt auch den einen oder anderen, der mit einer leichten Demenz alleine unterwegs ist. Da ist es umso wichtiger, dass eine gewisse Sicherheit gegeben wird." Zehn solcher Uhren stellt die Dienststelle für Selbstbestimmtes Leben kostenlos zur Verfügung, sowohl für Wohn- und Pflegezentren, als auch für den häuslichen Bereich. Die ersten Uhren sollen in den kommenden Wochen zum Einsatz kommen.

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