Eupen 4700

Wohin mit dem Müll? Sammeln, sortieren, wegfahren

In der Unterstadt, am Stadion der AS Eupen oder in der Industriezone wachsen aktuell die Berge aus Müll und Schutt. In den verwüsteten Teilen der Stadt tragen die Helferinnen und Helfer Unmengen an Müll zusammen. Da stellt sich die Frage, was mit dem ganzen Unrat passieren soll.

In der Eupener Industriezone ist das Verkehrsaufkommen hoch. Dicht getaktet bringen kleine und große LKW Müll zur vorübergehend eingerichteten Müllhalde. Nachdem die Kapazitäten am Kehrweg bereits erschöpft sind, wurde ein Gelände der SPI in der Textilstraße umfunktioniert. Der Müllberg, eine Mischung aus Sperrmüll, Bäumen und Ästen und verlorenen Habseligkeiten, wird eher größer als kleiner. Die Mitarbeiter der Stadt Eupen sind damit beschäftigt, den Sperrmüll im Stadtgebiet einzusammeln. Dazu gehört auch Florian Fissers, der gemeinsam mit einem Kollegen seit den Morgenstunden unterwegs ist. Rund 15 Ladungen Müll hätten sie bis zum späten Vormittag schon mit ihrer Camionette transportiert, erzählt er. Die Stadt, die BISA und Privatunternehmen sind mit dem Einsammeln beschäftigt. Vor Ort wird getrennt, zumindest grob. "Großer Elektroschrott wird direkt beiseite gelegt", erklärt Florian Fissers. "Es wird also schon ein bisschen sortiert. Aber das meiste kann man gar nicht sortieren: Schlamm, Dreck und einfach zu viel Masse. Wenn wir jetzt alles sortieren würden, dann würde das noch sehr sehr lange dauern." Tote Bäume und altes Holz werden aussortiert, der Sperrmüll wird von Metall und Eisen getrennt. Die Kühlschränke mitsamt verderblichen Lebensmitteln werden separat gelagert und sollen so schnell wie möglich abtransportiert werden. Viel mehr ist in Anbetracht der Massen nicht möglich. Einmal vorsortiert wird der Müll wieder aufgeladen. Einige Meter weiter arbeitet das Luxemburger Unternehmen CLL am Abtransport. Jérôme Mathieu ist als Fahrer für das Unternehmen unterwegs. "Wir laden hier in Eupen im Industriegebiet den Schutt. Diesen bringen wir dann, wenn der Kipper voll ist, nach Wandre. Da ist aber momentan sehr viel los und es gibt Wartezeiten. Deswegen bekommen wir nicht so viel weg, wie wir eigentlich wollen. Unser Tagesziel besteht trotzdem darin, fünf Ladungen zu machen." Drei Stunden braucht es, eine Ladung nach Lüttich zu bringen. Jérôme Mathieus letzte Ladung umfasste zwölf Tonnen Schutt. Eigentlich dürfte er mehr Gewicht transportieren, doch die großen Kipplaster des Transportunternehmens sind aufgrund der sperrigen Abfälle schnell voll. Schnell voll war auch eine erste Deponie in Lüttich, eingerichtet an der A601. Nach 48 Stunden musste ein neuer Standort gesucht werden. Seit letzten Mittwoch werden die Abfälle auf einer Brachfläche in Wandre gesammelt. Wie Jean-Jacques De Paoli, Pressesprecher von Intradel, der RTBF mitteilte wird auch dort sortiert - nach ähnlichen Maßstäben wie in Eupen. Doch im Moment gelte es effizient zu sein. Das hat zur Folge, dass beachtliche Mengen des angesammelten Mülls wohl verbrannt werden müssen. Auch in Eupen muss effizient gearbeitet werden. Zeit für Pausen bleibt nicht. "Aus der Unterstadt kommt immer noch weiter Schutt nach. Wir müssen halt dranbleiben, sonst ist irgendwann kein Platz mehr da", sagt Jérôme Mathieu. Doch nicht nur der Platz könnte zum Problem werden. Romain Pohlen wohnt nur unweit der Mülldeponie in der Industriezone und erinnert an einen weiteren Punkt: "Wenn der Müll jetzt hier Tage oder Wochen liegen bleibt, wird das natürlich ein Problem sein. Auch wegen Ratten, die sich dann hier einfinden werden. Natürlich muss jetzt hier schneller gehandelt werden, das ist ganz klar". Auch Eupens Bauschöffe Michael Scholl würde gerne schneller handeln. Doch die Wallonische Region schreibt vor, wie viele LKW die Stadt zum Abtransport einsetzen darf. "Der Abtransport wird wahrscheinlich noch einige Zeit dauern, denn die Menge ist entscheidend. Wenn wir jetzt natürlich die Möglichkeit hätten, mehrere LKW fahren zu lassen, werden wir das natürlich sofort tun", so Scholl. "Aber wie gesagt, im Moment sind wir mit drei LKW unterwegs." Wann der Müllberg in der Industriezone und am Kehrweg verschwindet, kann Michael Scholl nicht sagen. Dafür ist die Situation nicht überschaubar genug.

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