Eupen 4700

Willy Borsus besucht Eupener Unternehmen

Noch immer halten die Aufräumarbeiten in Ostbelgien und Umgebung an. Nachdem sich am Wochenende Premierminister Alexander de Croo ein Bild der Lage in Eupen gemacht hat, hat nun Willy Borsus Eupen besucht. Der wallonische Wirtschaftsminister hat am Dienstagmorgen den Blick in zwei verwüstete Eupener Unternehmen geworfen.

Das Eupener Kabelwerk ist kaum wiederzuerkennen: Der Schutt häuft sich auf Bergen, Schlamm verfremdet weiterhin die Maschinen, das Arbeitswerkzeug, die Infrastruktur. Tausende Arbeitsstunden, die meisten davon von den Angestellten geleistet, sind bereits in Aufräumarbeiten geflossen. Es ist schwer, sich unter diesen Umständen ein Bild über die Zukunft des Unternehmens zu machen. Und trotzdem haben sich Vertreter des Kabelwerks und politisch Verantwortliche getroffen. "Das Gespräch war schon gut. Aber wir wissen ja, so einfach ist auch für die nicht alles zu machen", sagt Erich Thönnes, Sprecher des Exekutivkomitees des Kabelwerks resümiert. "Es geht um Riesensummen und die Schäden sind riesig. Nicht nur im Kabelwerk. Auch in der ganzen Region." Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei der Druckerei Kliemo im Ortsteil Hütte ab. Der Pegel stieg dort auf 1,80 Meter an. Die schweren Druckermaschinen standen fast vollständig unter Wasser. Auch hier helfen Angestellte bei den Aufräumarbeiten, auch hier wird der Schaden erst nach und nach sichtbar. "Wir sind nicht die einzigen. Haben vielleicht in unserer Größenordnung viel verloren", sagt Druckerei-Inhaber Matthias Klinkenberg. "Am Kabelwerk werden sie noch viel mehr Schäden haben. Und mehr noch: Familien, die heute unsicher sind, Leute, die ihre Häuser verloren haben, das zählt auch. Und denen muss auch geholfen werden." Neben den menschlichen und materiellen Schäden werden nun die wirtschaftlichen Schäden sichtbar. Das betonte der wallonische Wirtschaftsminister Willy Borsus bei seinem Besuch in Eupen. Der möchte die betroffenen Unternehmen nun unterstützen. Direkt nach dem Besuch hat sich die Wallonische Regierung getroffen, um zusätzliche Mittel zu mobilisieren. Aber: Der Katastrophenfonds sei für eine Situation dieser Größenordnung nicht ausreichend, so Borsus. Der Besuch unterstreicht den Ernst der Lage. Kabelwerk und die Druckerei Kliemo beschäftigen zusammen um die 900 Angestellte. Dem Kabelwerk als größtes Unternehmen der DG soll besonders geholfen werden. Das unterstreicht Ministerpräsident Oliver Paasch im Anschluss an die Gespräche. "Wir haben heute noch keine Zahlen zur Kenntnis nehmen dürfen, aber Willy Borsus hat zugestanden, dass spezifisch für das Kabelwerk eine Task Force über die Wallonische Region mit Vertretern der verschiedenen Unterstützungsgesellschaften eingesetzt wird. Also eine spezifische Task Force für das Kabelwerk, um dabei zu helfen, diesen Wiederaufbau zu leisten." Wie, an welchem Standort und in welcher Form wiederaufgebaut werden soll, dazu kann Erich Thönnes noch wenig sagen: "Es ist natürlich auch nicht einfach hier wegzuziehen. Also der Aufbau wird doch schon am Standort sein. Wenigstens die Hauptsachen. Ob alles aufgebaut werden kann, ist eine Frage des Geldes und der Zeit." Bei Kliemo sucht Matthias Klinkenberg bereits jetzt nach einem Ausweichstandort - am liebsten in der DG. Ein Maschinenpark steht schon bereit, um mittelfristig anderorts zu produzieren."Wir wollen absolut am 1. September wieder in Produktion den ersten verkaufbaren Bogen haben", so der Druckerei-Inhaber. "Für die 45 Leute, die hier arbeiten, das heißt 45 Familien soweit wie möglich einzustellen, dass die Arbeit finden. Weil in unserem Beruf gibt es nicht mehr viele Druckereien. Wir haben gesehen, wie viele in den letzten Jahren verschwunden sind. Und unsere Mitarbeiter finden morgen nicht so einfach einen Job in einer anderen Druckerei, nur weil Kliemo nicht mehr kann." Die Wallonische Region ist gefordert. Die wiederum hofft auf Unterstützung der EU. Deren Entscheidungen werden am Ende mitbestimmend sein, wenn es um die Zukunft derer geht, die aktuell unermüdlich anpacken und aufräumen.  

Retrouvez l'article original sur BRF